O-Ton

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Festival Lied Würzburg 2026

Sehnsucht

VORKONZERT FESTIVAL LIED WÜRZBURG
(Franz Schubert)

Besuch am
28. Februar 2026
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Lied Würzburg, Berthold-Hummel-Saal im Mozartareal Würzburg

Ein Vorkonzert soll Appetit machen auf Kommendes, so gedacht als Auftakt zum siebten Festival Lied in Würzburg. Weil aber der vorgesehene Sänger Johannes Martin Kränzle wegen Erkrankung absagen muss, wird er nun bestens vertreten durch den Schweizer Bariton Manuel Walser. Der bringt ein reines Schubert-Programm unter dem Titel Sehnsucht mit. Das passt zu diesem Termin irgendwie, an dem der Krieg im Nahen Osten zwischen dem Iran und den USA beginnt, denn die Sehnsucht nach Frieden prägt den Abend, wie einige Besucher anmerken. Zwar beschäftigen sich die vierzehn Lieder inhaltlich mit inneren Konflikten, mit zwiespältigen Gefühlen, aber sie münden schließlich in den Wunsch nach Ruhe und Erlösung von allen Verunsicherungen.

Walser, einfühlsam begleitet vom Pianisten Alexander Fleischer, dem Gründer des Würzburger Liedfestivals, beginnt eher verhalten , stets aber bestens verständlich, mit Der Wanderer an den Mond , ganz im Sinn des romantischen Verständnisses vom Menschen, der von der ungreifbaren Sehnsucht nach einer Heimat aus dem Getriebensein in der Welt träumt; nur im oder unter dem Himmel findet er sie. Während dieses Lied noch vom erzählerischen Impetus lebt, wird, ganz konsequent danach, Der Abendstern sehr lyrisch gestaltet, fast anbetend mit leichten Steigerungen und auch fahlen Färbungen. Bewegter, optimistischer kommt dann, auch lebendiger eingeleitet durch das Klavier, Die Taubenpost daher, von aufmunternden Klavier-Akzenten unterstützt, sich sogar dramatisch entwickelnd und mit einem sehnsüchtigen Wunsch endend. In den drei Liedern lässt Walser seine schön timbrierte Stimme in zurückhaltenden Nuancen leuchten, übertreibt nie. Erst in Du bist die Ruh wird er schwärmerisch, färbt alles ab und zu melancholisch, bringt am Ende seine kräftig-dunkle Stimme zu andächtigem Glänzen mit feinen Abstufungen. Auch Bei dir allein wirkt dann freudiger, zuversichtlicher.

Aber schon bei Des Fischers Liebesglück wendet sich die Stimmung. Irrlichternd, verzaubert vom Irrealen, wobei das Klavier die Wellen nachzeichnet, fühlt sich der Liebende unter dem Sternengefunkel sicherer, friedvoll im Dunkel, vom Sänger ganz leise schwebend am Ende gestaltet. Dramatisch dann, beim Aufenthalt die Ahnung vom Tod im Sturm. Doch Auf der Bruck bringt wieder, recht bewegt, Blicke auf eine bessere, erfüllte Zukunft, ein „süßes Ahnen“ nach inneren Erschütterungen. Doch ganz so positiv gestaltet Walser das Lied Frühlingsglaube nicht in allem, obwohl die schönen Gesangslinien am Anfang lieblich leuchten; dann aber schwelgt er geradezu in sanft formulierten Gedanken mit feinen Höhen; es endet in der Hoffnung auf eine Wende aus den Herzensqualen.  Quellende Klavier-Läufe leiten Im Walde ein, verzaubert durch die Naturempfindungen, dann aber beschwörend und dramatisch drängend in einem Moment innerer Freiheit der Gefühle; alles verklingt zuletzt gemäßigt. Anbetungsvoll wird der Preis der Schönheit der Welt formuliert bei Im Abendrot, innig und träumerisch, bis bei Der Zwerg die Ahnung der Bedrohung der Liebe durch den Tod hervortritt in der spannend, mit härteren Betonungen gestalteten Erzählung. Das Nachstück danach, eine anfangs zutiefst pessimistische Naturschilderung formuliert die Sehnsucht nach Erlösung; nach ganz feinen Klavierakzenten und sanft lyrisch gestaltetem Gesang verebbt das Lied fast lautlos, still. Totengräbers Heimweh thematisiert den inneren Abschied vom Leben, zuerst laut und stark betont als Aufruf an die Menschheit, dann aber sanfter als Vision des ewigen Lichts, des Friedens, ganz fein, ganz verhalten endend.

Langer Beifall und als Zugabe quasi versöhnlich mit glänzenden Höhen und emotionalem Nachdruck die positive Verklärung der Rettung aus irdischer Trübsal: O holde Kunst!

Renate Freyeisen