O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Theater Münster - Foto © Tilman Roßmöller

Hintergründe

Münster sucht Intendanten

Ulrich Peters wird seinen Intendanten-Vertrag, der im Sommer 2022 ausläuft, nicht verlängern. Die Suche nach einem Nachfolger läuft und wird möglicherweise Ende Juni beendet werden. Bis Corona war alles gut, was danach kommt, wird man sehen müssen.

Ulrich Peters – Foto © privat

Die Theaterszene in Münster sucht und findet coronabedingt neue Formen für ihre Aufführungen und neue Ideen des Publikumskontaktes. Der im Sommer 2022 scheidende Generalintendant Ulrich Peters ist noch einmal besonders gefordert, die neuen Aufgaben verlangen noch einmal Ideenreichtum und Experimentierfreude. In seinem letzten Jahr in Münster setzt Peters nach dem 30. Mai gemeinsam mit anderen kleinen Theatern und Kinos der Stadt für die nächsten Monate vor allem auf „kleine Formate“, damit die Häuser mit der Proben- und Programmplanung beginnen können und doch flexibel bleiben. So plant Peters beispielsweise neben einem Lieder- und Arienabend ein Monologprogramm vor dem Eisernen Vorhang mit deutlich reduziertem Platzangebot.

Neben diesen aufgezwungenen Einschränkungen sind die Münsteraner, besonders der Rat der Stadt mit der Nachfolge des heute 64-jährigen Generalintendanten Peters befasst, der sich seit 2012 in Münster viel Anerkennung erworben hat. Er wird seinen bis 2022 laufenden Vertrag nicht verlängern und das Theater Münster verlassen. Neben steigenden Besucherzahlen, auch bei Zusatzangeboten wie den gut besuchten Vortragsreihen im Theater kann sich Peters auf das „bildungsbeflissene“ Publikum Münsters verlassen, er versteht „Kultur als Instrument der Stadtentwicklung“ und hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus.

Bei der Stadt Münster sind mittlerweile mehr als  55 Bewerbungen eingegangen, viel Arbeit für die Findungskommission, der neben den politischen auch fachlich ausgewiesene Vertreter angehören. Außerdem zieht die Stadt Münster externe Mitglieder zur fachlichen Beratung hinzu. Inzwischen stehen drei renommierte Kandidaten öffentlich zur Auswahl: Ludger Engels, bisher Ludwigsburg; Katharina Kost-Tolmein, bisher Lübeck; und Xavier Zuber, bisher Bern. Die Münsteraner Kulturszene, darunter die wichtige „Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde“ hofft, dass der Rat der Stadt Münster auf seiner Sitzung am 24. Juni der Empfehlung zustimmen wird, die ihm der Kultur- und Personalausschuss nach dem 17. Juni – hoffentlich – übermitteln wird.

Angesichts der unübersichtlichen Lage vieler Kulturhäuser und Kreativen hat der Vorsitzende der Gesellschaft, Wolfgang Weikert, eine „düstere Ahnung“ und spricht von einem „bedrückenden Verstummen“ der Theaterszene im Land. Münster, nicht gerade bekannt für seine „raschen“ Entschlüsse, hat viele Möglichkeiten zur Stärkung seiner „einzigartigen Kulturlandschaft“. Eine neue Theaterleitung kann hier vieles bewegen. Wenn dann für die  arg gebeutelten Soloselbstständigen und Kleinunternehmer aus dem Topf des Bundesministeriums für Bildung ein Teil der zusätzlichen zwölf Milliarden Euro zur Verfügung steht,  haben Münster und die neue Intendanz alle Chancen zu zeigen, dass in dieser Stadt Kultur wirklich ein „Lebensmittel“ ist.

Horst Dichanz