O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Foto © Michael Zerban

Hintergründe

Heimatgefühle

40 Veranstaltungen bietet die Tonhalle vom 6. bis zum 26. Juni im Rahmen des diesjährigen Schumannfestes quer über die Landeshauptstadt Düsseldorf verteilt an.  Liederabende und Symphonik, Pop-up-Konzerte in der Altstadt und Sessions im Jazzclub, eine Gruselnacht in der Kirche und Skyline-Konzerte ranken sich um eine Wohngemeinschaft.

Festivalleiterin Maja Plüddemann und Intendant Michael Becker – Foto © Susanne Diesner

Vor drei Jahren sorgte die Auftaktveranstaltung des alljährlich stattfindenden Schumannfestes für einen Paukenschlag. Die konzertant, mit großem Aufwand gezeigte Oper Genoveva von Robert Schumann, seine einzige, sorgte für einen Einstand, der im Stadtgespräch weit über den Tag hinaus reichte. Dieses Jahr geht es ein paar Nummern kleiner los, auch wenn man auf bekannte Namen setzt und an das diesjährige Motto Heimaten andockt. Julian Prégardien und sein Vater Christoph treten in Begleitung des Pianisten Michael Gees in der Tonhalle auf, um alleine oder im Duett Heinrich-Heine-Vertonungen von Robert und Clara Schumann sowie Lieblingslieder von Franz Schubert vorzutragen. Ein Liederabend als Vorgabe für das von der Tonhalle veranstaltete Festival, das drei Wochen lang in Düsseldorf ausgetragen wird. Kleinteilig wird es in der Tat überwiegend weitergehen.

Dabei wird ein neues Format gleich ein ganzes Wochenende einnehmen. Auch hier soll Julian Prégardien eine Hauptrolle spielen. Zehn Künstler kommen in einer Wohngemeinschaft zusammen, um dort gemeinsam den Alltag zu bestreiten und von dort aus ihre künstlerischen Aktivitäten zu starten. So recht scheint noch keiner zu wissen, wie das eigentlich vonstatten gehen soll, und so bleiben die Ankündigungen bislang eher vage. The Erlkings als Bestandteil der Gemeinschaft geben einen Liederabend in der Rotunde der Tonhalle, Julian Prégardien und seine Freunde ziehen in Klavierbegleitung singend durch die Altstadt, ein weiterer Liederabend findet unter dem Titel Mordnacht in der Berger Kirche statt. Valerie Eickhoff und Elenora Peretz laden am Sonntagmorgen zu einem Liederabend der Komponistinnen in die Kai-10-Galerie ein – „selbstverständlich“ bleiben Tonsetzerinnen der Gegenwart außen vor. Zu einem „Talk“ am Sonntagnachmittag gibt es weiter keine Informationen, außer, dass die Gesprächsrunde ebenfalls in der Rotunde stattfinden soll. Das gilt auch für das Konzert, das am Abend im Mendelssohn-Saal abschließend angesetzt ist. Darüber hinaus gebe es „Live-Schalten“ aus der WG. So soll das Publikum zum Teil des Projekts werden und „auf kreative Weise Einfluss auf dessen Verlauf nehmen“. Auch zu diesem Teil des Projekts hüllt sich Maja Plüddemann, Leiterin des Schumannfestes, bislang in Schweigen. Es klingt alles nach einem nicht zu Ende gedachten Experiment, und das kann ja ziemlich spannend werden.

Bekannte Spielstätten

Was die Auswahl der Spielstätten angeht, sind damit die Überraschungen und Neuerungen auch bereits erschöpft. Ein Teil der 40 geplanten Veranstaltungen findet wie üblich in der Außenspielstätte der Tonhalle, dem Palais Wittgenstein, statt. Da stellen das Gewandhausquartett und Pianistin Charlotte Steppes Robert Schumanns Klavierquintett zwei Quartetten Ludwig van Beethovens gegenüber. Geiger Niek Baar und Pianist Ben Kim spannen den Bogen von Schumann über Franck bis zu Webern. Das Saxofonquartett Kebyart interpretiert Kammermusik vom Barock bis zur Gegenwart. In der szenischen Konzertlesung Traumbilder treten Literatur und Musik in einen Dialog. Beim Kammermusik-Tag der Düsseldorfer Symphoniker präsentieren sich Mitglieder des Orchesters in wechselnden Besetzungen. Heike-Angela Moser, Ur-ur-ur-Enkelin der Schumanns, spielt auf einem historischen Hammerflügel Werke von Clara und Robert Schumann. Das Morgenstern Trio präsentiert sein Programm Jupiter mit Kompositionen von Pierre Jalbert, Mozart, Holst und Schumann. Die junge Pianistin Magdalene Ho streift durch Barock, Romantik und Moderne. Und das Motus-Quartett aus Wien entfaltet eine breite Farbpalette romantischer Kammermusik.

Wer zwischenzeitlich einen Wechsel der Genres mag, ist in der Jazz-Schmiede vermutlich gut aufgehoben. Jörg Kaufmann transportiert mit Vibrafonist Mathias Haus und Bassist Conrad Noll Schumanns Kinderszenen unter dem originellen Titel Scenes from Childhood in die Klangwelt des Jazz. Sängerin und Kontrabassistin Eleanor Grant und Gitarrist Gus McQuade werden Lieder von John Dowland bis Joni Mitchell spielen. Jazz wird auch in der Schlussrunde des Festivals eine Rolle spielen. An den letzten vier Tagen wird der Geiger Benjamin Schmid die Skyline-Konzerte, die in den oberen Etagen verschiedener Hochhäuser stattfinden, kuratieren. Solo, im Duo, im Klavierquartett und schließlich im Jazz-Quartett wird er Musik von Bach über Mozart bis Cole Porter spielen.

Bei einem ersten Blick ins Programm mag sich das diesjährige Motto Heimaten nicht so recht erschließen, wenn man nicht gerade glaubt, die Musik der Familie Schumann reiche aus, um es zu erklären. Gegenwartsmusik sucht man vergebens, Musiker aus der Heimatstadt Düsseldorf kann man an einer Hand abzählen. Die Besucher dürfen also gespannt sein, wie das Motto umgesetzt werden wird. Das vollständige Programm ist hier nachzulesen.

Michael S. Zerban