O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Terrasse am Schwanenspiegel - Foto © O-Ton

Hintergründe

Floß auf dem Teich

In diesen Tagen laufen viele Kulturbetriebe auf des Messers Schneide. Ob es Auftritte gibt oder nicht, ist häufig eine Rentabilitätsrechnung ob „strenger Auflagen“. Und da bleiben viele Häuser – und Festivals – zu. Beim Asphalt-Festival, das vom 9. bis 19. Juli stattfinden soll, will man sich nicht damit abfinden, auf die Gäste zu verzichten. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab, wenigstens ein „alternatives“ Festival zu veranstalten.

Das „Gap 15“ wird bei den Aufführungen im Hintergrund bleiben – Foto © O-Ton

Was war das für ein Festival! Der Sommer vergangenen Jahres ist noch immer in bester Erinnerung. Internationale Gäste auf einem Campus in intimer Atmosphäre, nachts noch schön bei einem Konzert zusammensitzen. Es gab auch Nachdenkliches. Und vor allem gab es nach dem Asphalt-Festival die Vorfreude auf das Festival in diesem Jahr. Aber eine Veranstaltung in den kleinen oder schlecht durchlüfteten Studios, Probebühnen oder in einer Halle, in der auf der Tribüne alle dicht bei dicht setzen: Das kannst du alles vergessen. Es ist also klar: Das Asphalt-Festival kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Oder?

Immerhin haben sich Bojan Vuletić und Christof Seeger-Zurmühlen, die Organisatoren des Festivals, in den vergangenen Jahren intensiv mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt. Das bedeutet, Genehmigungen für ungewöhnliche Spielstätten zu erringen, Erlaubnisse bei wildfremden Menschen zu erfragen und viel Fantasie für Geschichten im Stadtgebiet zu entwickeln. Also machten sich die beiden auf die Suche in der Stadt nach Spielorten. Endlich konnten sie der örtlichen Tageszeitung im exklusiven Interview vermelden: Wir haben eine Lösung gefunden. Das Festival kann stattfinden. Und ehe noch die offizielle Pressemitteilung geschrieben war, erschien bereits das Interview mit Christof Seeger-Zurmühlen im Lokalteil. So wird das schließlich in jeder Kleinstadt dieser Welt gehandhabt.

Die Idee ist auf den ersten Blick bestechend. Der Schwanenspiegel ist Teil des Ständehausparks. Neben dem Kaiserteich einer von zwei Teichen, die 1804 im Außenbereich des damaligen Stadtkerns angelegt wurden, und die miteinander verbunden sind. Dort gab es immer wieder Cafés und auch einen ehemaligen Bootsverleih, der an der Westseite des Gewässers angelegt war. Dort erinnert heute nur noch eine ruhig gelegene, zweistufige Terrasse an die einstige Betriebsamkeit. Davor breitet sich eine stille, güllegeschwängerte Wasserfläche aus. Im Hintergrund ragt das „Gap 15“, ein Hochhaus, das die Prosperität der Stadt verkörpert, in den Himmel.

40 Programmpunkte in elf Tagen

Christof Seeger-Zurmühlen, im Hintergrund Bojan Vuletić – Foto © Ralf Puder

„Wir schaffen an dieser Stelle einen Begegnungsort im größtmöglichen, nämlich im öffentlichen Raum, und versuchen zugleich, uns dort so nahe wie möglich zu kommen“, sagt Seeger-Zurmühlen. Etwa 80 Personen sollen auf der Terrasse Platz finden, und ein Floß im Teich wird mit rund 48 Quadratmetern zur Bühne. Die akustische Verbindung zwischen beiden Flächen wird mittels Kopfhörern hergestellt. Besucher, die in den vergangenen Jahren schon einmal an den etwas anderen Stadtrundgängen teilgenommen haben, wissen, dass das außerordentlich gut funktionieren kann. Etwa 40 Programmpunkte sollen auf diese Weise in elf Tagen absolviert werden können. Dazu gehören Lesungen, Performances und Musik, auch spezielle Familienangebote sind vorgesehen. Bis zu fünf Vorstellungen täglich sind vorgesehen. „All das ist aber eben nicht bloß als Entertainment gedacht, wir möchten künstlerischen Interventionen Raum verschaffen, die sich mit der aktuellen Lage beschäftigen“, erläutert Seeger-Zurmühlen. Große Reise-Aktivitäten wird es im Gegensatz zu den Vorjahresfestivals nicht geben. Die Organisatoren wollen ausschließlich Künstler aus Düsseldorf und der Region einladen. „Es geht uns darum, mit möglichst wenig Aufwand einen Hoffnungs- und Verhandlungsraum zu schaffen“, sagt Seeger-Zurmühlen. Und so wird das Festival in diesem Jahr auch keine große Sichtbarkeit im Stadtbild erfahren. Auf eine Plakatierung und aufwändige Programmhefte wollen die Macher verzichten.

Nicht verzichtet werden soll auf Hygiene-Maßnahmen. Die Kopfhörer sollen nach jedem Gebrauch desinfiziert werden, die langgestreckten Wege von und zur Terrasse lassen einen geordneten Besucherstrom zu und zusätzliches Personal wird darauf achten, dass die Abläufe unter Beachtung der Mindestabstände eingehalten werden. Das klingt alles schlüssig. Und die Stadt hat auch bereits ihr Wohlwollen signalisiert. Nur an den offiziellen Genehmigungen mangelt es noch. „Aber wir rechnen damit bereits im Laufe der kommenden Woche“, zeigt sich Pressesprecherin Marita Ingenhoven zuversichtlich. Und dann kann es wohl auch endlich mit dem Kartenvorverkauf losgehen.

Michael S. Zerban