Kulturmagazin mit Charakter

Aktuelle Aufführungen
GUITARRA
(Diverse Komponisten)
Besuch am
27. April 2026
(Einmalige Aufführung)
Robert-Schumann-Hochschule im Haus der Universität, Düsseldorf
Ein herrlicher Frühlingstag mit blauem, wolkenlosem Himmel und Temperaturen um 17 Grad hebt zu Wochenanfang die Stimmung. Da lässt man sich zum Feierabend gern auf ein eher ungewöhnliches Konzert ein. Nach dem wunderbaren Konzertabend im Januar im Haus der Universität am Shadowplatz in Düsseldorf, bei dem das Absolon String Quartet durch die Geschichte der Streichquartette führte (O-Ton berichtete), steht heute Abend ein Gitarrenkonzert auf dem Programm. Studenten der Robert-Schumann-Hochschule aus den Gitarrenklassen von Joaquin Clerch und Alexander-Sergei Ramirez wollen ein „buntes Feuerwerk mit Klängen aus Spanien und Lateinamerika“ zum Besten geben.
Joaquin Clerch wurde in Havanna geboren und studierte Gitarre, Musik und Komposition an der Hochschule der Künste. 1990 setzte er seine Studien der Gitarre und der Alten Musik am Mozarteum in Salzburg fort. Seit 1999 ist er Professor für Gitarre an der Robert-Schumann-Hochschule und gilt heute als einer der bedeutendsten Gitarrenlehrer. Zahlreiche seiner Studenten erhielten internationale Auszeichnungen und Preise bei den wichtigsten Wettbewerben, sind an der Spitze der Gitarrenszene und lehren an Konservatorien und Musikhochschulen weltweit. Bereits seit 1997 arbeitet Alexander-Sergei Ramirez als Professor für Gitarre an der Düsseldorfer Musikhochschule. Er stammt aus Lima, Perú, und absolvierte seine Studien unter anderem in Spanien und den USA. Neben seinen Konzertauftritten blickt er auf eine Reihe von eigenen Einspielungen zurück, gibt Meisterkurse und ist als Jury-Mitglied bei internationalen Gitarrenwettbewerben tätig. Die Bühne heute Abend überlässt er allein seinem Kollegen Clerch, der sie nutzt, um das Publikum im vollbesetzten Saal zu begrüßen und eine knappe Programmübersicht zu geben.

Wilasinee „Sanfan“ Yamban – Foto © Michael Zerban
Den Anfang übernimmt Xhoni Xhavari mit Präludium, Fuge und Allegro von Johannes Sebastian Bach. Viel mehr Informationen, etwa zu den Studenten, gibt es auch auf dem Abendzettel nicht. Die Gitarristin Wilasinee „Sanfan“ Yamban übernimmt mit der Harmonie du soir von Johann Kaspar Mertz, einem Zeitgenossen Heinrich Heines. Thiago Leite nimmt seinen Mut zusammen und sagt sein Stück an. Es ist eine Arie aus der Bellini-Oper I Capuletti e i Montecchi, die Giulio Regondi mit Variationen verziert hat. Nach dem romantischen Vortrag tritt Andrei Pitu mit einem Ausschnitt aus der Sonate für Gitarre solo von Antonio José auf, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Während es im ersten Teil, der Pavana triste, noch ruhig und mit wenig Ideen zugeht, wird es im zweiten Teil, dem Allegro con brio, deutlich virtuoser.
Aus Litauen kommt Matas Jarosevicius. Nach der Pause wartet er mit einem Titel auf, der zunächst skeptisch stimmt. Denn von Mauro Giuliano stammen die Variationen über I bin a Kohlbauern-Bub. Es wird aber eher virtuos als südtirolerisch-folkloristisch, und so erntet auch dieser junge Mann seinen wohlverdienten Applaus. Die sehr schüchtern wirkende Junqui Liu traut sich an ein zeitgenössisches Stück. Roland Dysons Songe Capricorne klingt allerdings durchaus eingängig und überfordert keinen Hörer. Durchaus schwieriger verhält es sich da mit dem Fandango von Joaquin Rodrigo, den Zipeng Guo präsentiert. Eine Aneinanderreihung von – teils durchaus anspruchsvollen – Bruchstücken, die nicht so recht eine Einheit ergeben wollen. Was gewiss nicht an dem jungen Interpreten liegt.

Matas Jarosevicius – Foto © Michael Zerban
Dramaturgisch gut gewählt, gibt es „das Beste“ zum Schluss. Ioanna Kazoglou tritt in roter Bluse auf und hebt sich schon mit ihrer Farbenfreude von den Kommilitonen ab. Gleich fünf Stücke interpretiert sie. La serenor, la joia, la calma, la gaubanca und la frisanca entstammen der Collectici intim von Vicente Asencio. Der Komponist aus Valencia war eine der führenden Persönlichkeiten der spanischen Musikszene in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der sich in der Ästhetik Manuel de Falla stark verbunden fühlte. Die Kombination aus dem heimischen valencianischen und dem hispanischen Element wird auch im letzten Vortrag des Abends deutlich. Ein prägnanter, geklopfter Rhythmus durchzieht zunächst ein sehr ruhiges Stück, das von lebhafteren „spanischen“ Klängen abgelöst wird. Ein eher getupfter, denn geschlagener Ausflug ins Romantische wechselt schließlich in die folkloristische Richtung, die mit virtuosen Ausbrüchen versehen wird.
Die jungen Interpreten spielen im Niveau näher am Konzertexamen als am Bachelor. Nach nahezu zwei Stunden werden sie vom Publikum frenetisch gefeiert. Brillantes Gitarrenspiel auf ausgesprochen hohem Level ist eindrucksvoll, aber bei der Wortkargheit des Abends auch ermüdend.
Am 1. Juni gibt es die nächste Aufführung im Rahmen der Reihe Schumann@Heine im Haus der Universität. Dann heißt es Violinwelten – Klangfarben durch die Epochen. Eine Voranmeldung ist unbedingt empfohlen.
Michael S. Zerban