Kulturmagazin mit Charakter

Aktuelle Aufführungen
BENEFIZKONZERT MIMF
(Franz Schubert, Johannes Brahms, Maurice Ravel)
Besuch am
8. Mai 2026
(Einmalige Aufführung)
Auch in diesem Jahr lädt der Verein der Freunde des Molyvos International Music Festival zum Benefizkonzert ein, um Spenden für das Festival einzuwerben. War es im vergangenen Jahr die Düsseldorf-Filiale von Steinway & Sons, wird es dieses Jahr eine ganze Spur mondäner. Das ehemalige Land- und Amtsgericht in der Mühlenstraße wurde 2007 zum Luxushotel The Wellem umgebaut. Dankenswerterweise blieb dabei das imposante Treppenhaus des Gerichtsgebäudes erhalten. Hier ist heute Abend ein Flügel auf dem ersten Podest aufgestellt. Die Gäste sind hinter der Balustrade der oberen Empore platziert. Restliches Tageslicht fällt durch die hohen Fenster im oberen Stockwerk. Ein gelungener Rahmen für den Auftritt von Danae und Kiveli Doerken, die künstlerischen Leiterinnen des Molyvos-Festivals.
Zur Erinnerung: Molyvos ist eine Kleinstadt mit etwa 1.400 Einwohnern an der Nordküste der griechischen Insel Lesbos. Bereits zum zwölften Mal wird das Städtchen mit dem mittelalterlichen Flair im kommenden August Ausgangspunkt des Kammermusik-Festivals, das die beiden Pianistinnen 2015 gründeten. In diesem Jahr halten die Schwestern es beim Motto mit Aristoteles, der Glückseligkeit als die höchste Form eines erfüllten, tugendhaften und somit erst sinnvollen Lebens verstand. Konsequent überschreiben die Doerkens die einzelnen Konzerte mit Weisheit, Besonnenheit, Gleichgewicht, Tugendhaftigkeit, Mut und Glückseligkeit – nach dem griechischen Philosophen der Antike die Bausteine, die für Ziel, Versprechen und Hoffnung der menschlichen Natur stehen.

Foto © Michael Zerban
Ein wenig Glückseligkeit versprechen Danae und Kiveli auch heute Abend, wenn sie wie im vergangenen Jahr den Abend mit Franz Schuberts Fantasie in f-Moll vortragen. Das vierhändige Klavierstück entstand 1828, ein halbes Jahr vor dem Tod des Komponisten und zählt neben dem Grand Duo zu seinen beiden Großwerken des Genres. Die großartige Akustik scheint die beiden Schwestern förmlich zu beflügeln und trägt sie über die mitunter vehementen Nebengeräusche aus dem Erdgeschoss hinweg.
Die Ungarischen Tänze Nr. 1 bis 21 von Johannes Brahms entstanden in den Jahren 1858 bis 1869 in der vierhändigen Fassung und gehören zu seinen populärsten Werken. Mit den Tänzen 2 bis 5 treffen die beiden Musikerinnen eine vorzügliche Auswahl, die bestens geeignet ist, die gute Laune des Publikums auf ein Höchstmaß zu steigern. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass das letzte Stück des Programms ebenfalls aus dem letzten Jahr bekannt ist. 1912 wurde das Ballett oder, um es mit den Worten des Komponisten zu sagen, die „choreografische Symphonie“ Daphnis et Chloé von Maurice Ravel in Paris uraufgeführt. Ein umfangreiches Orchesterwerk, bei dem die Pianistinnen sich auf die Suite No. 2, eines der bekanntesten Orchesterstücke überhaupt, in der Transkription für Klavier zu vier Händen von Léon Roques beschränken. In der Akustik des Treppenhauses wird auch das Stück zu einem ganz besonderen Hörgenuss.
Das Publikum überschüttet die Musikerinnen mit Applaus. Und die beiden lassen sich nicht lange bitten, sich mit einer passenden Zugabe zu verabschieden. Der Alexis Sorbas sorgt für die nötige Sehnsucht nach Griechenland. Schön war’s mal wieder.
Das diesjährige Festival auf Lesbos findet vom 12. bis zum 19. August statt. Zu den Höhepunkten gehören heuer die Philip-Glass-Hommage Glass for Two, ein Chorwerk von Sven Helbig und eine Uraufführung von Christos Papageorgiou. Interessenten, die ihr Urlaubserlebnis vielleicht mit klassischer Musik kombinieren möchten, sollten ihr Augenmerk auf den 17. bis 19. August richten. Denn dann konzentriert sich das Festival ausschließlich auf Molyvos und man kann zusätzlich auch in diesem Jahr wieder die neun Molyvos Musical Moments erleben, also die zehn- bis fünfzehnminütigen Kurzkonzerte, die tagsüber an verschiedenen Überraschungsorten in der Stadt gegeben werden.
Michael S. Zerban