Kulturmagazin mit Charakter

Aktuelle Aufführungen
JUBILÄUMSKONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
27. September 2026
(Einmalige Aufführung)
Geboren in Saarbrücken, ist er aufgewachsen in Rilchingen-Hanweiler, seit 1973 ein Ortsteil von Kleinblittersdorf mit etwa 2.500 Einwohnern. Dort übt sein Vater seit 1964 nebenamtlich das Organistenamt aus und war viele Jahre als Chorleiter aktiv. Es gelang ihm, seinen Sohn mit der Liebe zur Kirchenmusik anzustecken. Und so nahm Johannes Maria Strauss nach seinem Zivildienst sein Studium auf, das er als Kirchenmusiker und Diplom-Musiklehrer abschloss. Von 1997 bis 2001 arbeitete er als Musikalischer Assistent am Würzburger Dom, lernte dort die „große Kirchenmusik“ kennen. Sein Wunsch, eigenständig arbeiten zu können, führte ihn 2001 als Seelsorgebereichsmusiker in die katholische Gemeinde nach Meerbusch-Büderich.
„Musik – das ist Strauss‘ Beritt, der macht das richtig, der macht das gut, den lassen wir machen.“ Herrlich. So hatte er sich das vorgestellt. Und rascher als gedacht, gingen die Jahre ins Land. Fürsorge für die komplette Musikarbeit der Gemeinde. Neben den Ensembles der Pfarrei auch Leitung verschiedener Vokalgruppen in Meerbusch und Düsseldorf. Dabei richtete er sich nach den Wünschen der Gemeinde, konnte nebenbei seiner großen Liebe, der Orgelmusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, frönen. Sein Ruf als herausragender Organist reicht inzwischen weit über die Gemeinde hinaus.
Ein Vierteljahrhundert später heißt es innehalten, einen Moment zurückzublicken. Und die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Findet Strauss. Und er verzieht sich dafür nicht ins stille Kämmerlein, sondern will sein Dienstjubiläum mit der Gemeinde feiern. Der Sonnenblumensonntag ist eine Erfindung des Einzelhandels, findet alljährlich am letzten Sonntag im September statt und ist der traditionelle Zeitpunkt, abends ein Chorkonzert aufzuführen. Die richtige Gelegenheit, denkt der Kantor und lädt zum Jubiläumskonzert ein.
Wer Zeit hat, kommt. Und es sind viele. Der eigene Kirchenchor, der Kinderchor, die evangelische Kantorei unter ihrem neuen Leiter, Mathias Bertuleit, der Konzertchor Düsseldorf, Solisten, Instrumentalisten. Für sie alle hat Strauss das Programm zusammengestellt, ohne Rücksicht auf die Zeit. Auch die Kirchenbänke sind gut besetzt.

Johannes Maria Strauss – Foto © Michael Zerban
Die Erwachsenenchöre schließen sich zu Beginn für den Aaronitischen Segen Der Herr segne und behüte dich mit der Musik von John Rutter und dem deutschen Text von Strauss zusammen. Der eigene Kirchenchor stimmt anschließend Mitten am Tag ein Innehalten von Fritz Baltruweit an. Für ihr Duett haben Susanne Strauss und Petra Wienands I will sing with the spirit von Rutter ausgewählt. Das Doppelkonzert für zwei Trompeten von Antonio Vivaldi präsentieren Lars und Peter Koch. Abwechslungsreich geht es weiter, wenn der Kinderchor auftritt, um Heilig, heilig, heilig von Peter Janssens und Kleiner Stern von Johannes Reichert zu singen. Die Kinder bleiben noch ein wenig, Pastors Musikantenstadl tritt hinzu. Zwei Mottolieder stehen auf dem Zettel. Leben. Freude. Zukunft. von Dieter Böttcher anlässlich der Landesgartenschau Neuss, die in diesem Jahr stattfindet, und Hab Mut! Steh auf! von Matthias E. Gahr und Rolf Wenner anlässlich des diesjährigen Katholikentages in Würzburg. Pastors Musikantenstadl schließt noch Ich bin die Sonne von Strauss‘ früherem Lehrer Thomas Gabriel an. Während des Kanons Miteinander Glauben leben von Peter Janssens, an dem sich alle Anwesenden beteiligen, sofern sie sich des Singens befähigt fühlen, kann der Blick ein wenig schweifen.
In wohl jeder Gemeinde taucht mit schöner Regelmäßigkeit ein Thema auf: Muss der Chor eigentlich immer in festlicher und einheitlicher Kleidung auftreten? Strauss sagt heute: Nein. Jeder kommt in seiner Wohlfühlkleidung, schließlich ist es ein Fest. Schön, es mal versucht zu haben. Und die Antwort nach dieser Erfahrung lautet: Kann man machen. Dadurch klingt es nicht anders, und immer noch singen alle miteinander. Aber ehrlich? Muss man nicht machen. Es geht doch viel Wirkung in der Ausstrahlung verloren.

Mirjam, Hannah und Rebekka Feldschen mit Johannes Maria Strauss – Foto © Michael Zerban
Zu Gast ist heute Abend ist auch die evangelische Kantorei, die gleich drei Psalmen und das Alleluia von Gordon Young mitgebracht hat. Gelegenheit für Strauss, die Orgelempore zu erklimmen und danach das Thema und drei Variationen von Wunderschön prächtige der „Vaterfigur der katholischen Kirchenmusik in Düsseldorf“ auf der Orgel zu intonieren. So jedenfalls nannte der Kantor der Neanderkirche, Oskar Gottlieb Blarr, seinen Kollegen Clemens Ingenhoven, der viele Jahrzehnte als Organist an der Düsseldorfer Maxkirche und Lehrer des katholischen Orgelnachwuchses arbeitete. Apropos Landeshauptstadt, die von der Kirche St. Mauritius ja beinahe schon fußläufig erreichbar ist. Der Konzertchor Düsseldorf tritt mit Verbe égal au Très-Haut von Jean Racine und dem Psalm Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich an, zu dem Strauss 1997 die Musik für seine Abschlussprüfung im Fach Deutscher Liturgiegesang komponierte. Als Komponist im Sinne einer beruflichen Tätigkeit versteht sich Strauss allerdings nicht. „Eine Idee zum Vokalzyklus Pauli Hymni liegt seit über fünfzehn Jahren in der Mappe, aber da wird sie wohl noch länger liegen bleiben“, verrät er. Doch wenn es Bedarf in der täglichen Arbeit gibt, greift der Kantor ganz gern mal zu Notenpapier und Bleistift. Alle Chöre und die beiden Trompeter versammeln sich zur Präsentation seiner Komposition, die 2013 bei einem Musikferienprojekt zum Psalm Alleluia, laudate Dominum entstand. Das hätte nach eindreiviertel Stunden ein wunderbarer Schlusspunkt sein können.
Für den größten Teil des Publikums ist es das dann auch. Für ein paar wenige neben den Erwachsenenchören beginnt die Pause, zu der Freiwillige für Häppchen und Getränke gesorgt haben. Frisch gestärkt geht es dann in den zweiten Teil, den mit der weltlichen Musik, wie Strauss sagt. Aus Dances für Trompete und Piano von John McCabe ruft Peter Koch mit Ballade und Jigaudon in die Kirche zurück. Dort schmettert der Kirchenchor Ein Jäger aus Kurpfalz, eine Reminiszenz an Strauss‘ Arbeit als Notengrafiker. Kanonische Variationen über das Lied Kume, kum, Geselle min gibt Strauss am Harmonium zum Besten und hat damit nun auch alle Kircheninstrumente bespielt.
Mirjam, Hannah und Rebekka Feldschen mögen es poppiger und covern I will follow him, Heal the world und Top of the world. Zu später Stunde eine willkommene Erfrischung. Wie alt mag wohl Noah Hasan-Feldschen sein? Neun Jahre vielleicht? Das vierhändige Vortragsstück von Anton Diabelli jedenfalls spielt er gemeinsam mit Strauss perfekt am Klavier. Benedikt Drüppel, Mitglied des Düsseldorfer Konzertchors, darf seine Musical-Leidenschaft zeigen und Himmel, hilf mir aus Footloose sowie Barry geht heut zum Ball aus The Prom singen. Dem Konzertchor Düsseldorf bleibt der Schlussauftritt vorbehalten. Vom Altarraum aus erschallt Schläft ein Lied in allen Dingen nach einem Text von Joseph von Eichendorff zur Musik von Wolfgang Fortner. Dann verteilen sich die Choristen im Kirchenraum und erheben ein letztes Mal mit dem Abendlied Bleib bei uns, denn es will Abend werden die Stimme.
Die ganz große Sause ist vorüber. Viele Erinnerungen, viele schöne Erlebnisse. Nun geht es auch für Johannes Maria Strauss in den Alltag zurück. Wenn alles gut läuft, hat er noch mindestens dreizehn Jahre als Kantor vor sich. Darauf freut er sich. Und auf ein Projekt, das 2031 verwirklicht werden soll. Dann will er die Uraufführung von Das Buch Versammler eines seiner Lieblingskomponisten, Helmut Bornefeld, vor 60 Jahren feiern. Und natürlich sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Seine Gemeinde steht bereit.
Michael S. Zerban