O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Festival Lied Würzburg 2026

Einsames Wandern

ERÖFFNUNGSKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
17. März 2026
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Lied Würzburg, Berthold-Hummel-Saal im Mozartareal, Würzburg

Beide Künstler, der Bariton aus Ulm, Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper München und der Pianist, geboren in Israel, renommiert durch viele internationale Auftritte, sind ein freundschaftlich  verbundenes, eingespieltes Team. Das merkt man an ihrem traumhaften Einverständnis beim sinnvoll aufgebauten Programm des Abends. Der beginnt mit fünf Liedern von Robert Schumann opus 40 nach Gedichten von Hans Christian Andersen, die einen eher skeptischen Blick auf eine wirklich erfüllte, dauernde Liebesbeziehung werfen. Die Songs of travel von Ralph Vaugham Williams greifen das Motiv des einsamen Wanderers auf, der über der Schönheit der Naturerlebnisse die Trauer über vergangene Liebesbeziehungen nicht vergessen kann, sich heimatlos fühlt, immer weiter wandert, aber letztlich ohne Hoffnung bleibt. ; an solche Gefühle knüpfen dann die Rumänischen Lieder opus 7 des rumänischen Komponisten Eusebius Mandyczewski an, der von 1857 bis 1929 lebte, hierzulande relativ unbekannt; er war Freund und schließlich Nachlassverwalter von Johannes Brahms. Dass Konstantin Krimmel diese von volksliedhaften Vertonungen der Gedichte von Vasile Alescandri ausgesucht hat, liegt daran, dass Krimmels Mutter Rumänin ist und er selbst rumänisch spricht; auch dadurch wirkt sein Liedvortrag besonders beflügelt und authentisch; ihm liegt die Wiederentdeckung und Wertschätzung des Komponisten „am Herzen“, wie er eingangs betont.

Dass darauf noch fünf Lieder von Brahms folgen, verwundert nicht. Sie zeigen die Verbundenheit der beiden Komponisten im romantischen Impetus, im Gedanken der Vergänglichkeit der Liebe, der Todesahnung und des Verlassenseins auf Erden.

Gleich das Märzveilchen am Anfang enthält, zusammen mit Muttertraum, Ausdruck von Hoffnung, aber auch schon Skepsis. Der klare, nie forcierte, facettenreiche, klangstarke Bariton von Krimmel  ist dabei stets bestens verständlich, unterstreicht zuerst die zuversichtliche Aussage mit feinen Abschattierungen der Stimme und zurückhaltender Gestik, lässt innere Distanz spüren, und nach schicksalhaften Akzenten des Klaviers wird die Ahnung des Todes spürbar, stärker dann noch in den angedeuteten Trommelschlägen bei der Erzählung von Der Soldat, sehr nachdrücklich gesteigert vom Sänger bei der Tragik, einen Todgeweihten erschießen zu müssen. Wenn Der Spielmann bei der Hochzeit lustig geigt, lässt Krimmel auch die andere Seite, nämlich den Tod, in der Gestaltung spüren., und das Klavier beschließt das Ganze versöhnlich, wirft aber dann in scheinbar heiterem Rhythmus einen skeptischen Blick auf die Beständigkeit der Liebe. Bei den Songs of Travel ist der Schritt des Wanderers nachgezeichnet vom Pianisten, und in vielen Nuancen und stärkeren Betonungen schildert der Sänger die Erlebnisse auf dem Weg, die Jahreszeiten, freut sich an der Schönheit der Natur geradezu andächtig, kostet dabei den Text auch mit schwebender Stimme und feiner Delikatesse aus, und das Klavier gibt sanfte Klänge dazu; bei Youth and Love klingen die Höhen schimmernd.

Das aber schlägt schnell um Im Traum, einiges wirkt da fast mutlos, doch ein strahlender Himmel tröstet beim einsamen Weiterwandern. Krimmel entfaltet eine ganze Palette von widerstrebenden Gefühlen, singt die Höhen licht an. Er schließt den Liederzyklus mit sanftem Glanz, wobei die Klavierbegleitung an sich entfernende Schritte erinnert. Ganz anders nach dem Abschied vom Leben Mandyczewskis Maienglöckchen, irgendwie volksliedhaft anmutend, mit feinen Linien; neckisch dabei der Beginn von Holdes Mädchen, voll jugendlichem Mut als lebendig gestalteter Dialog dann der Versuch eines Jungen, ein Mädchen zu gewinnen. Gedämpft im Klavier wird Das Grab eingeleitet; Krimmel färbt hier den Text dunkler, schicksalhafter, und in Der Einsame liegt in der fahlen Tönung der Stimme gleichzeitig Anklage, Wehmut. Alles mündet nach einer schmerzerfüllten Steigerung in Resignation. An diese Stimmung fügt sich Auf dem Kirchhofe von Brahms sinnvoll an. Dessen Heine-Vertonung von Der Tod, das ist die kühle Nacht atmet träumerische Müdigkeit, und das feine Naturempfinden in Feldeinsamkeit verscheucht den Gedanken an den Tod, bis dann Die Mainacht wonnevoll süße Empfindungen hervorruft, aber auch gedämpft im Bewusstsein der Gefährdung dieser Idylle, von Klavier und Stimme lang ausgekostet.

Danach ist die Begeisterung des Publikums für Sänger wie Pianisten kaum zu bremsen, und beide kommen um eine fesselnde Zugabe nicht herum, diesmal von anderer Art als bei den Liedern vorher: Krimmel kann sich hier bei Schumanns Heine-Ballade Belsatzar als Opernsänger in dramatischer Gestaltung und stimmlicher Wucht beweisen und lässt das schaurige Geschehen nach effektvoller Pause ganz leise ausgleiten. Da wollen die Bravo-Rufe nicht enden, aber ein Lied hätte man vielleicht noch erfinden müssen, nämlich auf die Hunde des Sängers, die geduldig hinter der Bühne auf ihr Herrchen warten.

Renate Freyeisen