O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Arbeiten von Desislava Staykova-Learn - Foto © Michael Zerban

Kunststücke

Abseits der Symmetrie

Allzu groß ist der Raum in der Birkenstraße 109 mit seinen gerade mal 35 Quadratmetern nicht, aber er reicht, gleich sieben Künstler ihre Ansichten zur Architektur präsentieren zu lassen. Hundertneun – Raum für Kunst nennt sich die ungewöhnliche Galerie, die Martin Schumacher und Oliver Seibst im vergangenen Jahr eröffneten. Bis zum 15. August kann man sich die Ausstellung Architektur trifft Kunst noch an vier Tagen in der Woche anschauen.

Martin Schumacher und Desislava Staykova-Learn – Foto © Michael Zerban

Martin Schumacher ist in Hamburg geboren. Die Liebe führte ihn nach Düsseldorf. Nach seiner Ausbildung zum Chemielaboranten wechselte er in die Werbebranche und absolvierte ein Studium als Designer und Interiordesigner. Eigenen Angaben zufolge ist er ein leidenschaftlicher Künstler und Fußballnarr. Oliver Seibt stammt aus dem Rheinland. Er wurde Druckvorlagenhersteller und schloss später sein Studium zum Grafikdesigner ab. Seine Leidenschaft für Design, „gepaart mit seiner Liebe zu gutem Essen, Wein und Sport“, so ist zu lesen, spiegele sich in seiner kreativen Arbeit wider.

Im Stadtteil Flingern, der zunehmend durch die bildende Kunst, etwa durch Galerien wie auch die Sammlung Philara oder das BBK-Kunstforum, geprägt ist, eröffneten die beiden Hundertneun – Raum für Kunst, ein ehemaliges Geschäftslokal, etwas mehr als 35 Quadratmeter groß, mit einer großzügigen Fensterfront, um einen Ort „für künstlerischen Austausch, Ausstellungen und kulturelle Begegnungen“ zu schaffen. Hier wollen sie ihrem „eigenen Kunstschaffen Raum geben und aktiv für andere Kunstschaffende einen Ausstellungsraum zur Verfügung stellen“.

In der neuesten Ausstellung Architektur trifft Kunst geben sie sieben Künstlern die Gelegenheit, Ausschnitte ihrer Werke zu zeigen. Anna Doronina stammt aus einer ukrainischen Künstlerfamilie und lebt heute in Deutschland. Auf der Birkenstraße präsentiert sie Düsseldorfer Stadtansichten aus eigener Perspektive, in der sie sich auf markante Umrisse beschränkt. Jan Masa ist in Danzig geboren, studierte dort Bildhauerei und lebt seit vielen Jahren in Erkrath bei Düsseldorf. Seit 1990 widmet er sich der Fotografie, Collagen, Objekten und experimentellen Techniken. Davon zeugen auch seine Bilder, in denen Wände in verschiedenen Konstellationen und Farben Räume eröffnen und verstellen.

Arbeiten von Anna Doronina – Foto © Michael Zerban

Der aus dem sauerländischen Balve stammende Meinolf Jan Holland studierte Kommunikationsdesign in Trier und Düsseldorf. In leuchtendem Orange erscheinen seine geometrischen Körper mit Auslassungen vor blauem Hintergrund. Die vielleicht fantasievollsten Arbeiten der Ausstellung kommen von Desislava Staykova-Learn. Die Künstlerin ist aus ihrer Heimat Bulgarien über die Niederlande und Frankreich nach Deutschland gekommen. Drei Hochschulabschlüsse hat sie erworben. Ihr Portfolio war anfangs von Installationen und abstrakten Filmen geprägt, doch in den letzten Jahren richtet sie ihren Fokus verstärkt auf die Fotografie. In ihrem Werk, das auch jetzt in der Galerie zu sehen ist, will sie aus realen Situationen eindrucksvolle abstrakte Bilder gewinnen.

Götz Leimkühler ist Architekt. Er präsentiert in der Birkenstraße das Projekt Heaven 7 und das Projekt Sky Box als Miniaturfotografien auf Stoff. Ebenfalls mit kleineren Arbeiten ist auch Schumacher vertreten, der vier digitale Kollagen zur Architektur beiträgt. Und schließlich vervollständigt Seibt mit einer Bilderserie aus Ibiza die Ausstellung, in der er Architektur mit weißen Aussparungen zeigt. Den beiden ist eine vielfältige Zusammenstellung gelungen, die auch Menschen gefallen kann, die keinen expliziten Zugang zur bildenden Kunst haben. Und auch wer mit schmalem Geldbeutel vorbeischaut, kann fündig werden. Im Hinterraum gibt es eine Auswahl an Miniaturen.

Michael S. Zerban