O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Kommentar

Vom elitären Gestus und Maulhelden

Florian Lutz ist designierter Intendant des Staatstheaters Kassel. Bei seiner ersten Spielplanvorstellung wird deutlich, dass die Theater sich als elitäre Zirkel fühlen, die vom Staat bezahlt werden und deshalb das Publikum abhängen können. Die Kulturinstitutionen in Deutschland scheinen zu glauben, sich nicht mehr an sprachliche Regelwerke halten zu müssen. Lutz macht es schon mal vor. Wie lange wird das Publikum sich einen falsch-moralischen Zeigefinger unter die Nase reiben lassen?

Florian Lutz zeigt schon vor Amtsantritt, dass ihn die Sprache der Bürger nicht interessiert – Foto © Martina Sturm

Nein, ich habe kein „Gender-Trauma“, wie mir eine Leserin vorhielt. Ich liebe die – deutsche – Sprache und möchte, dass sie in ihrer Vielfalt, Verständlichkeit, Ökonomie und Weiterentwicklung erhalten bleibt und nicht von Ideologen zerstört wird, die in völliger Unkenntnis sprachlicher Feinheiten für Desinformation, Ausgrenzung und die Spaltung der Gesellschaft sorgen. Dass Theatermacher gerade zu glauben scheinen, sie könnten sich in einer pseudo-elitären Blase vom Publikum verabschieden, indem sie sich gegen alle geltenden Regeln stellen, weil sie ja vom Staat bezahlt werden, ist nicht nur bedauerlich, sondern unerträglich. Die Leserbriefe, die hier in der Redaktion eingehen, zeigen, dass die Menschen nicht bereit sind, sich eine Ideologie überstülpen zu lassen, die fernab von Wirklichkeit und geübter Praxis ist. Das Paradoxon wird deutlich: Menschen, die glaubten, über eine Veränderung der Sprache für gute Ziele wie Gleichberechtigung der Geschlechter, wie viele es auch immer sein mögen, oder die größere Beachtung von Minderheiten einzutreten, müssen erkennen, dass die breite Ablehnung einer so genannten Gender-Sprache in der Gesellschaft nur noch für Ärger sorgt, der sich nicht mehr um Minderheiten und Gleichberechtigung kümmert. Ziel verfehlt. Aber wie es mit einer Ideologie immer so ist: Diejenigen, die ihr anhängen, leugnen die Wirklichkeit und beharren umso mehr auf ihrer Linie.

Dass auch dem designierten Intendanten des Staatstheaters Kassel, Florian Lutz, sein Publikum scheißegal zu sein scheint, verlautbart er bereits vor Amtsantritt. Großspurig wird da in einer Pressekonferenz die große Linie für das Staatstheater der Zukunft präsentiert. Er suche den politischen und gesellschaftlichen Diskurs, lässt sich Lutz da zitieren. Wolle sich zur Stadt hin öffnen. Welch ein Blödsinn! Ein Blick ins Programmheft zeigt schnell, dass auch Lutz sich längst vom Publikum verabschiedet hat und nur noch seinen eigenen Ideen nachhängt. Da wird gegendert, was das Zeug hält. Lutz, der bis zu seiner Intendantentätigkeit in Halle als reflektiert und visionär galt, glaubt also auch, das Publikum belehren und moralisieren zu müssen, indem er sich einer Sprache bedient, die mit dem amtlichen Regelwerk der deutschen Sprache und vor allem dem Verständnis der Bevölkerung nichts zu tun hat. Das allerdings sollte gerade für einen Intendanten eines Staatstheaters, also einem staatlich Bediensteten, geradezu Bibel sein. Und mit Kunstfreiheit hat das überhaupt nichts zu tun. Die Freiheit der Kunst wird auf der Bühne praktiziert, nicht von Intendanten, die für die Verwaltung und Vereinnahmung von Kunst zuständig sind.

Ja, ich bin sauer. Weil die Verwalter der Kunst zu glauben scheinen, sich auf Kosten der Künstler ermächtigen zu können, uns ihre Ideologie überzustülpen. Ich behaupte heute, die Kunst wird die Ideologie überleben, auch wenn derzeit viele resignierte Menschen glauben, dass sie sich gegen den ideologischen Sprachverfall nur noch wehren können, indem sie in Zukunft solchen Veranstaltungen fernbleiben.

In einer Situation, in der Kulturschaffende alle Contenance fallen lassen wie in Kassel, muss die Frage erlaubt sein, ob das Fördersystem für Kulturverwalter noch funktioniert oder nicht dringend abgeschafft gehört. Wenn schon ein designierter Intendant glaubt, sich nicht mehr an gesellschaftliche Grundregeln halten zu müssen, muss man auch fragen dürfen, ob solche Veranstaltungen und Institutionen Gelder von Steuerzahlern erhalten dürfen, die eine ideologische Sprachverfärbung mehrheitlich ablehnen. Die Antwort ist einfach: Nein. Stoppt die Geldflüsse für Menschen, die versuchen, Minderheiten auszugrenzen, das Volk moralisch steuern und Desinformation mit Sternchen und ähnlichen Albernheiten betreiben zu wollen. Es kann nicht sein, dass ein Intendant :innen in seinem überdimensionierten Büro sitzt und sich halbtot lacht über die doofen Steuerzahler, die ihn bezahlen, damit er seine Fantasiesprache ausleben kann, die jede Fantasie im Keim erstickt.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O-Ton wieder.