O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Kommentar

Schlappe für Ideologen

Am 26. März hat der Rat für deutsche Rechtschreibung Klarheit geschaffen. Bis auf Weiteres werden „Gender“-Sonderzeichen nicht in das amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen. Versuche der ideologischen Sprachunterwanderung waren, sind und bleiben damit eindeutig regelwidrig. Der Rat hat die Irrelevanz des Gendersternchens belegt und auch noch einmal betont, was für die Sprache wichtig ist. Bleibt die Hoffnung, dass die Gender-Ideologen nun endlich aufhören, Sprache zur Geschlechterfrage zu machen.

Rat für deutsche Rechtschreibung – Foto © N.N.

Erneut keimt die Hoffnung, dass jeder vernünftig denkende Mensch begreift, dass Sprachänderungen nicht für ideologische Angriffe taugen. Für jeden anderen hat der Rat für deutsche Rechtschreibung in seinem Zwischenbericht vom 26. März erneut festgelegt, dass bis auf Weiteres „der Genderstern nicht in das amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen“ wird. Der Rat existiert seit 2004 als Gremium, das aus 40 Mitgliedern deutschsprachiger Teile Europas besteht und der Bundesregierung Änderungen für das amtliche Regelwerk der deutschen Sprache empfiehlt oder eben solche ausschließt. Damit bleibt das Regelwerk, wie es ist. Und der Rat begründet auch, wie er zu seinem Beschluss kommt. So habe eine empirische Untersuchung ergeben, dass die „Gender“-Schreibvarianten weniger als 0,01 Prozent ausmachen und nach wie vor das „generische Maskulinum“ dominiert. Damit sind solche Versuche der ideologischen Unterwanderung irrelevant. Daneben führe die Verwendung von „Gender“-Sonderzeichen zu Folgeproblemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen.

Um seine Entscheidung überprüfbar zu machen, erläutert der Rat auch, wie Sprache beschaffen sein muss. Danach sollen Texte sachlich korrekt, verständlich und lesbar, vorlesbar, übertragbar im Hinblick auch deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen sein sowie die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen. Darüber hinaus darf die Erlernbarkeit der deutschen Sprache nicht unnötig erschwert werden.

Städte wie Hannover oder Köln, Firmen wie Audi, öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, Kulturinstitutionen wie Theater oder auch die so genannte Freie Szene sind also keine Helden der ideologischen Sprachunterwerfung, sondern halten sich schlicht nicht an das gültige amtliche Regelwerk der deutschen Sprache. Ob eine solche Rechtsbeugung weiterhin gerade für vom Bürger subventionierte Betriebe haltbar ist, bedarf nach dieser eindeutigen, abermaligen Klärung dringend der Überprüfung. Immerhin darf der Bürger, der für die Existenz von öffentlich-rechtlichen Medien und Kulturinstitutionen sehr viel Geld ausgibt, dafür erwarten, dass diese sich an geltendes Recht halten.

Nach diesem eindeutigen Zwischenbericht des Rates sollte dann auch klar sein, dass ab sofort Schluss mit der irreführenden „Berichterstattung“ in den öffentlich-rechtlichen Medien sein muss. Und wenn Journalisten oder Nachrichtenmoderatoren glauben, sich weiterhin über geltende Regeln hinwegsetzen zu müssen und damit nicht mehr ihrer Aufgabe nachkommen, sind sie schlicht und ergreifend aus ihren Funktionen zu entfernen. Bei Theatern und ähnlichen Kulturinstitutionen sollte ein Hinweis des Trägers auf das amtliche Regelwerk ausreichend sein, wenn sie sich vom nachweislich mehrheitlichen Willen der Bürger schon nicht angesprochen fühlen.

Dann können wir uns hoffentlich bald wieder Sachthemen zuwenden, ohne uns jedes Mal erst mit den Geschlechtern der Beteiligten zu beschäftigen. Oder wie die Autorin Nele Pollatschek formuliert: „Wer aus meinem ‚Schriftsteller‘ ein ‚Schriftstellerin‘ macht, kann auch gleich ‚Vagina!‘ rufen“. Damit sollte also jetzt ernsthaft Feierabend sein. Und so kommt die Entscheidung des Rates gerade rechtzeitig zum bevorstehenden Wahlkampf. Denn da kann gleich auch jede Partei zeigen, wo sie die Grenze zwischen eigener Ideologie und dem Mehrheitswillen ziehen will – während der Bürger jeglichen Geschlechts in Ruhe entscheiden kann, ob er in Zukunft lieber von Menschen regiert werden will, die ihm Problemlösungen bieten, oder solchen, die mit ihren aufgewühlten Geschlechtern gesellschaftlich anerkannte Regeln missachten.

Michael S. Zerban