O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Foto © O-Ton

Aus der Redaktion

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher,

als wir am 14. März vergangenen Jahres beschlossen, die Bezahlschranke für das Kulturmagazin O-Ton auszusetzen, geschah das nicht, weil es uns finanziell so gut ging, sondern weil wir unseren Teil dazu beitragen wollten, dass die Kultur in Deutschland und darüber hinaus bei möglichst vielen Menschen sichtbar bleibt. Die Entscheidung war und ist bis heute richtig. Mehr als 30.000 Besucher verfolgen unsere Beiträge Monat für Monat. Ja, Sie haben Recht. Im Vergleich zu einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen Menschen ist das nicht viel. Im Vergleich zu dem, was an Kulturmagazinen und deren Berichterstattung übriggeblieben ist, ist es allerdings eine Menge. Deshalb arbeiten wir weiter Tag für Tag daran, Sie mit interessanten Beiträgen für etwas zu begeistern, dass uns als Gesellschaft und Demokratie aufrechterhalten kann. Wir versuchen, Ihnen im Gegensatz zur Regierung dieses Landes zu vermitteln, dass Kulturveranstaltungen notwendig sind, egal, ob sie im Theater, in der Oper, im Tanz oder im Konzert stattfinden. Und wir verfolgen sehr interessiert, wie all diese Veranstaltungen ihre Fortsetzungen im Internet stattfinden. Welche neuen Formen da entwickelt werden, weil doch die Kulturschaffenden so viel Wert auf ihre Kreativität legen.

Hier hagelt’s Sternchen – Foto © O-Ton

Inzwischen hat sich vieles verändert. Viele Künstler haben ihren Beruf hinter sich gelassen, um Geld zu verdienen, was ihnen die öffentlich geförderten Häuser nicht mehr bieten können oder wollen. Viele Häuser setzen ihren Kurs fort, herkömmliche Veranstaltungen abzufilmen, um sie im Internet zu zeigen. Da ist von Kreativität nicht mehr viel zu sehen. Und viele Häuser haben sich darauf verlegt, statt gedanklicher Auseinandersetzung auf ideologische Beeinflussung zu setzen. Und das in infamer Weise. Da werden allgemein anerkannte Regeln der deutschen Sprache ignoriert, die der Allgemeinheit dienen, um sich zu verständigen. Häuser, die vom deutschen Steuerzahler finanziert werden, wie etwa das Forum Freies Theater in Düsseldorf oder das Tanzhaus ebenda, behaupten plötzlich von sich, sie seien nicht mehr vom Willen ihrer Geldgeber abhängig, sondern könnten statt Kunst Ideologie bieten.

Obwohl der Rat für deutsche Sprache einmal mehr deutlich gemacht hat, dass Gender-Sonderzeichen keinen Eingang in das amtliche Regelwerk für deutsche Sprache Eingang finden, weil unter anderem Gäst*innen keinen Sinn macht, glauben „Theatermacher“, dass sie uns eine Sprache oktroyieren müssen, die 87 Prozent der Deutschen ablehnen. Nein, sie sind nicht im Kampf für eine bessere Welt unterwegs – das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Sondern sie versuchen, eine staatliche Ideologie im Volk unterzubringen. Damit haben sie ihren Anspruch auf die Finanzierung des Steuerzahlers, der mit 87 Prozent eindeutig gegen eine diesbezügliche Änderung der deutschen Sprache ist, verwirkt.

Die Behauptung bestimmter Gruppen, ein Sternchen, Unterstrich, Majuskel oder sonstige unzulässige Spracherweiterungen könnten auf dem Weg zu einer Geschlechtergerechtigkeit hilfreich sein, ist eine Lüge. Die deutsche Sprache ist eine sehr fein austarierte Sprache, was Geschlechtergerechtigkeit angeht. Wer sich ernsthaft mit ihr beschäftigt, anstatt sie ideologisch vergewaltigen zu wollen, wird das sehr schnell verstehen. Und kann stolz darauf sein, sie zu beherrschen anstatt sie zerstören zu wollen.

Wir haben als Kulturmagazin keine Forderungen zu stellen, sondern zu berichten. Aber wir haben das Recht, uns gegen Unrecht zur Wehr zu setzen. Der Einsatz von Gender-Sonderzeichen ist durch nichts gerechtfertigt, sondern sorgt für – gewollte – Desinformation. Statt Information werden durch Gender-Sonderzeichen Inhalte verfremdet. Interessiert Sie mein Geschlecht? Seien Sie mir nicht böse, aber ich interessiere mich für Ihres leider gerade gar nicht, sondern ich wollte wissen, um was es in dem Stück ging. Die eigentliche Information geht unter. Ökonomie ist eines der wesentlichen Merkmale einer gut funktionierenden Sprache, um Desinformation zu vermeiden.

Wir werden diese Form der Desinformation nicht akzeptieren. Das fängt damit an, dass wir nicht auf die Spiegelfechterei irgendwelcher Opfergruppen eingehen. Pressemitteilungen, die sich als ideologische Kampfschreiben entpuppen, werden ignoriert. Das geht ganz einfach. Ein kurzer Blick. Zwei Sternchen. Und die Pressemitteilung ist gelöscht. Nein, keine Angst, das führt nicht zu einer verminderten Berichterstattung, sondern konzentriert uns auf die, die Kunst statt Ideologie bieten. Wunderbar. Wir werden fortan nicht mehr auf Webseiten verlinken, die glauben, für sie würden andere Gesetze gelten als für die Allgemeinheit. Und: Wir werden nicht in den allgemein klagenden Kanon über Budgetkürzungen einstimmen, der in Kürze einsetzen wird, weil wir befürworten, dass Häuser, die glauben, uns statt mit Kunst mit Ideologie zu beeindrucken, kein Anrecht auf nur einen einzigen Euro haben. Und wir werden weiter gemäß den amtlichen Regeln für die deutsche Sprache berichten, so, wie 87 Prozent der Deutschen das befürworten.

Der Einsatz von Gender-Sonderzeichen ist weder Avantgarde noch progressiv, wie in einzelnen Publikationen zu lesen ist. Er entspricht den Versuchen der Nationalsozialisten, eine eigene Sprache zu erfinden, die uns bis heute Sorgen bereitet. Arbeit macht frei ist bis heute in unseren Köpfen, und deshalb weigern wir uns, einen Gäst*in in unser Haus zu lassen. Wer also weiter eine ideologiefreie Berichterstattung wünscht, wird uns in unserem Ansinnen unterstützen. Schon einmal haben sich Medien nur allzu bereitwillig einer Ideologie gebeugt. Das wird hier nicht passieren. Weil guter Journalismus bei O-Ton Ehrensache ist.

Herzlichst,

Ihr Michael S. Zerban
Chefredakteur O-Ton