O-Ton

Kulturmagazin mit Charakter

Foto © O-Ton

Aus der Redaktion

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher,

eigentlich fing das Jahr, kulturell betrachtet, eher ruhig an. Das war ganz gut so. Denn so konnten wir unser Magazin unter neuem Namen in Ruhe entwickeln. Inzwischen sollten wir alle wesentlichen Fehlfunktionen behoben haben, die sich nach der Veröffentlichung eines neuen Internetauftritts nahezu zwangsläufig einstellen, weil man eben vieles erst feststellt, wenn man tatsächlich online ist. Und wenn Sie sich jetzt fragen, was denn an O-Ton so Neues im Vergleich zum alten Opernnetz ist, freut uns das umso mehr. Denn dann haben Sie nicht mitbekommen, dass wir die Technik komplett umgestellt und auf die Zukunft ausgerichtet haben.

Jeanne au bûcher in Lyon gehörte sicher zu den Höhepunkten im Januar. – Foto © Bertrand Stofleth

Wir haben keinen fulminanten, aber einen sehr guten Start hingelegt. Viele Besucher – beiderlei Geschlechts – sind uns gefolgt und haben ein Abo abgeschlossen. Für diesen Vertrauensvorschuss bedanken wir uns. Um hier einem Missverständnis vorzubeugen: Das Abo gilt für Sie für ein Jahr, nicht wie früher bei Opernnetz für das Kalenderjahr! Natürlich hätten es, wie immer, ein paar Besucher mehr sein können, aber wir wollen nicht klagen. Und eigentlich nicht über Zahlen reden. Viel wichtiger ist für uns im Moment, dass wir Ihnen die bekannte Qualität von Opernnetz und eine größere Vielfalt in O-Ton bieten können. Daran arbeiten wir intensiv.

Und – es ist wie ein Befreiungsschlag – erstmals können wir auch beständig über Neuerungen und Verbesserungen nachdenken, ohne jedes Mal im Bettelstatus zu landen und zu beschließen, es bleibe lieber alles beim Alten, damit es bloß nichts kostet. Dass wir damit das Rad nicht neu erfinden, ist klar. Aber im eigenen Spinnennetz hängenzubleiben, war auch nicht sehr befriedigend. Zum ersten Mal waren in diesem Jahr eigenproduzierte Videos in O-Ton zu sehen.

Inzwischen haben wir auch die ersten Reaktionen auf unser Begehren bekommen, für qualitative kulturelle Berichterstattung Geld zu verlangen. Da kam sehr schnell der „Beschwerdebrief“, dass wir nun den finanziell nicht so gutgestellten Mitbürgern den Zugang zur Kultur verweigern. Nein, wir verweigern ihn nicht. Wir halten vier Euro im Monat für das Angebot für erschwinglich – für Schüler und Studenten haben wir bereits eine Ermäßigung eingebaut.

Erstaunlicherweise hat sich ein Haus unserem Angebot gegenüber geäußert, dass wir ja nun „leider nur noch“ kostenpflichtig zu lesen seien. Einem mit Steuermitteln finanzierten Haus, das jeden Tag unter Kürzungen leidet, fehlt die Einsicht, dass die Berichterstattung über seine Arbeit Geld kosten soll? Da darf man sich wundern.

Eine Agentur schrieb uns, dass sie es schade fände, dass wir Geld kosten, aber sie Verständnis hätten. Anstatt nun ein Abo abzuschließen, wollte sie aber erst mal schauen, wie die Reichweite sei. Entschuldigung, aber das ist eher peinlich.

Und dann gab es ja erwartungsgemäß auch noch die Äußerungen, dass man ein kostenpflichtiges Angebot nicht brauche, weil es ja so viele kostenlose Angebote im Internet gäbe. Wir beschäftigen einige der besten Kulturjournalisten Deutschlands, inzwischen auch Österreichs und der Schweiz. Wir möchten den vielen engagierten Hobby-Kritikern und -Seiten wahrhaftig nicht zu nahe treten, sind wir ihnen doch auch oft freundschaftlich verbunden. Aber es muss eben jeder für sich selbst entscheiden, welche Qualität er oder sie in der Berichterstattung erwartet. Und Qualität erschöpft sich nicht in gutem Willen oder Engagement. Das hat auch etwas mit Produktionsaufwand, Betreuung, zeitaufwändiger Sorgfalt oder Weiterentwicklung der Ressourcen zu tun. Letztendlich wird der Besucher entscheiden, welchen Qualitätsstandard er bevorzugt.

Doch überwiegen die positiven Rückmeldungen. Intendanten, die darauf bestehen, dass wir uns vor Ort eine Meinung bilden, Agenturen, die einen solide verfassten Beitrag mehr schätzen als eine imaginäre Reichweite. Sänger, die ein qualifiziertes Urteil von O-Ton wertschätzen wie Vertreter des zeitgenössischen Tanzes, die die kritische Auseinandersetzung mit uns suchen.

Damit eröffnet sich für uns bereits heute ein so weites wie Spannung erzeugendes Berichtsfeld, in dem wir in eine großartige Zukunft schauen können. In diesem „lahmen“ Monat Januar haben wir übrigens – ohne die aktuellen Nachrichten – für Ihre vier Euro mehr als 60 Beiträge veröffentlicht. Gut so. Weil wir ganz langsam angefangen haben.

Für die Zukunft versprechen wir ein buntes, vielfältiges Angebot, das Ihnen das ganze Spektrum des Musiktheaters und von mehr Kultur bieten wird. Genießen Sie das und unterstützen Sie damit gleichzeitig, dass über das kulturelle Angebot berichtet wird. Denn nur so bleibt es lebendig. Wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst,

Ihr Michael S. Zerban
Chefredakteur O-Ton